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aktualisiert:
2008-10-02
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Der Ursprung der Persönlichen Assistenz liegt in der
Forderung Betroffener nach einem selbstbestimmten Leben.
Die klassischen Formen professioneller Heil- und Behindertenpädagogik
sind geprägt vom Bemühen um Heilung, Therapie und
Versorgung als Aspekte einer Betreuung, angereichert mit
einem Erziehungsauftrag. Deshalb wurde auch die medizinisch-psychiatrische
Ausrichtung der Heilpädagogik mit den Erziehungswissenschaften
verknüpft. Diese auf das Individuum fokussierte Sichtweise
der Behinderung führte zu einem Expertentum der Helfer,
welches die Beziehung zwischen Betreuer und Betreuten mit
einem Autoritätsgefälle durch Wissens- und Entscheidungsmacht
prägt. Die Angebote der Behindertenhilfe entwickelten
sich zu institutionalisierten Einrichtungen mit Versorgungscharakter
die einer individuellen und selbstbestimmten Lebensgestaltung
widersprachen. Die inzwischen auf mehreren Kontinenten verbreitete
Independent-Living-Bewegung entstand mit dem Ziel, aus diesem
System auszubrechen und sich die benötigten Hilfeleistungen
nach eigenen Vorstellungen zu organisieren. Das daraus entwickelte
Konzept der Persönlichen Assistenz sieht Laien als UnterstützerInnen
vor, die nun AssistentInnen genannt werden. Alle Kompetenzen
wie Wahl der AssistentInnen, Anleitung, Diensteinteilung
usw. fallen den AssistenznehmerInnen (AuftraggeberInnen)
zu.
Die Ideologie der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung, wie sie im deutschen Sprachraum
genannt wird, hat weitreichende Fortschritte im Verständnis von Behinderung
gebracht. Der Fokus wurde auf das Verstehen gesellschaftlicher und sozialer Zusammenhänge
gebracht. Eine Differenzierung zwischen Beeinträchtigung des Einzelnen und
dessen Behinderung durch Hürden aller Art führte teilweise zu einem
umfassenden Umdenken, das mancherorts sogar Paradigmenwechsel genannt wird.
Die Persönliche Assistenz ist ein Produkt, das aus dieser „Revolution“ entstanden
ist, deren teilweise radikalen Ansätze auch in einigen gegenwärtigen
Umsetzungen noch deutlich sichtbar sind. Wie in jeder Gegenbewegung, konzentrierte
sich das Bemühen bisher auf Durchsetzung von Forderungen und weniger auf
Selbstkritik. Deshalb dürfte auch die bestehende Literatur spärlich
sein. Die Persönliche Assistenz ist derzeit ein noch wenig reflektierter
Ansatz sozialer Arbeit mit der praktischen Konsequenz, dass im Einzelfall kaum
theoriegeleitetes Handeln möglich ist. Die bestehenden Divergenzen zwischen
ideologischem Anspruch und realen Umständen (z.B. ungünstiger Gesetzeslage)
oder dem menschlichen Vermögen von AuftraggeberIn und AssistentIn müssen
ernstgenommen, reflektiert und bearbeitet werden. Es ist dringend an der Zeit
mit wissenschaftlichen Methoden genau hinzusehen um Grundlagen für eine
fundierte Praxis zu schaffen.
Die Persönliche Assistenz soll als Dienstleistung genau definiert und von
anderen Diensten abgegrenzt werden. Das beantragte Forschungsprojekt verfolgt
darauf basierend das Ziel einer vertieften Reflexion gegenwärtiger Praxis
in Oberösterreich und zieht Vergleiche mit Angeboten Persönlicher Assistenz
aus dem europäischen Ausland. Das Forschungsergebnis soll kritisch Mängel
aufzeigen und Auskunft geben, wo in der Qualität des Angebotes Entwicklungsbedarf
besteht beziehungsweise Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind. Auf die
Zukunft gerichtet, geht die Untersuchung der Frage nach, welche Potenziale in
diesem Ansatz stecken und für welche Zielgruppen die Persönliche Assistenz
ein hilfreiches Angebot sein kann. Umgekehrt ist daraus abzuleiten, wo dieses
Modell seine Grenzen hat, für wen bzw. unter welchen Umständen es nicht
geeignet ist. |
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